Wissen und Weisheit

In welchem Verhältnis stehen Wissen und Weisheit? Wann handeln wir aufgrund unseres Wissens und wann aufgrund unserer Weisheit? Die folgende, nicht abschließende, Gegenüberstellung betrachtet diese beiden Aspekte aus verschiedenen Blickwinkeln.


WissenWeisheit
Was ist das Ziel?Sammlung von
Fakten zu einem
Ereignis
Verstehen des
Ereignisses

Entdecken neuer
Fakten
Wiederentdecken,
warum alte, über-
lieferte Wahrheiten
wichtig und bedeut-
sam sind

Verstehen der
„Außenwelt“
Verstehen der
„Innenwelt“

Ausschluss von
Veränderungen
und Unsicherheit
Akzeptanz von
Veränderungen
und Unsicherheit

Wissen, wie etwas
gemacht werden
muss
Wissen, ob etwas
gemacht werden
muss
Wie wird das Ziel
erreicht?
Durch LernenDurch Erfahrung
Welche Herangehens-
weise ist notwendig?
WissenschaftlichSpirituell
Wie erfolgt die
Anwendung?
SpezifischHolistisch
Wie ist die Sichtweise
auf die menschliche
Existenz?
Die Existenz besteht
aus Teilen und
Fakten
Die Existenz ist mehr
als die Summe der
Teile und Fakten

(Quelle: aus „Wisdom“; Leijssen, Mia; (Manuscript 2016 MOOC))

Die in der Tabelle aufgeführten Informationen lassen sich v. a. auf zwei philosophische Schulen zurückführen, nämlich auf die Existenzphilosophie (in diesem Fall in ihrer Anwendung in der existenziell orientierten Beratung) und auf den Buddhismus.

Ein wunderschönes Gedicht zum Thema „Vergänglichkeit“

Ein wunderschönes Gedicht zum Thema "Vergänglichkeit"

Ein zentraler Aspekt in der buddhistischen Lehre ist das Thema Vergänglichkeit. Der Buddha hat einmal gesagt:

„Alles, was das Wesen der Entstehung in sich trägt, muss auch wieder vergehen.“

Ein wunderschönes Gedicht beschreibt dies wie folgt:

„Einst glühende Wangen und rote Lippen,
Heute nun kalte Asche und weiße Knochen.
Stellung und Ruhm, wenn auch unübertroffen,
Sind doch nur Teil eines langen Traums.
Wie reich und edel du auch immer bist,
Du bist trotz allem unbeständig.
Eifersüchtig, stolz, dich klammernd an ein Selbst,
Doch dieses Selbst ist allzeit leer.
Kraftvoll, fähig und erfolgreich,
Doch liegt darin keine letzte Wahrheit.
Warum unterscheiden zwischen Alt und Jung,
Da doch die vier Elemente auseinander fallen?
Risse zerfressen selbst Berge,
Der Held ist sehr viel früher tot.
Das dunkle Haar auf unserem Kopf –
Kaum gewachsen, ist es auch schon weiβ.
Kaum verklungen die guten Wünsche zu unserer Geburt,
Da beginnt schon die Trauer um unseren Tod.
Dies sechs Fuβ hohe Skelett bleicher Knochen,
Wie ist es doch um Reichtum bemüht.
Diese Hülle von Haut, gefüllt mit Blut,
Leidet Jahr um Jahr, nur weil sie festhält.“

(„König Trân Thái Tông: Khoa Hu Luc (Lehren über Leerheit)“
aus Thich Nhat Hanh – Das Wunder des bewussten Atems)

Die Akzeptanz dieser Vergänglichkeit führt zur Beendigung des Leidens, da Illusion und Anhaftung enden. Zusätzlich treten Werte wie z. B. Güte, Dankbarkeit, Mitgefühl, Freude, Neugier und Gelassenheit in den Vordergrund und bereichern unser Leben!

Diese akzeptierende Grundhaltung kann durch regelmäßige Meditationsübungen entwickelt und gefestigt werden. In allen meinen Kursen sind deshalb Meditationsübungen ein wesentlicher Bestandteil!

Fundamentals – Grundlagen

Ein wunderschönes Gedicht zum Thema "Vergänglichkeit"

„Can I jump over two or three guys like I used to? No. Am I as fast as I used to be? No, but I still have the fundamentals and smarts. That’s what enables me to still be a dominant player. As a kid growing up, I never skipped steps. I always worked on fundamentals because I know athleticism is fleeting.“

„Kann ich noch immer über zwei oder drei Männer springen, so ich es früher konnte? Nein. Bin ich noch immer so schnell, wie ich es mal war? Nein. Aber ich beherrsche noch immer die Grundlagen und habe Erfahrung. So kann ich weiterhin ein überlegener Spieler sein. Schon als Kind habe ich nie einen Schritt auf dem Weg übersprungen. Ich habe immer an den Grundlagen gearbeitet, weil die reine Sportlichkeit mit zunehmendem Alter abnimmt.“

(Kobe Bryant, ehemaliger us-amerikanischer Basketballspieler)

Gedanken zur Achtsamkeit – Überblick

Auch wenn es zurzeit den Anschein erweckt, so ist doch Achtsamkeit keine Modeerscheinung unserer heutigen Zeit, sondern eine jahrtausendealte Geisteshaltung, deren Ursprünge im Buddhismus zu finden sind.

Der Buddha selbst betonte in seiner Lehrrede über die Achtsamkeit (die sogenannte Satipatthana Sutta) die große Bedeutung dieser Geisteshaltung. Er erklärte, dass mit ihr “das Leiden überwunden werden kann”.

Die moderne Wissenschaft bestätigt ebenfalls die positive Wirkung der Achtsamkeit. Mit wissenschaftlich evaluierten Programmen wie MBSR, der achtsamkeitsbasierten Stressbewältigung, und MBCT, der achtsamkeitsbasierten Verhaltenstherapie, zeigen sich gute Erfolge bei der Behandlung von stressbedingten Erkrankungen, bei chronischen Erkrankungen und auch bei Depressionen und Angstzuständen.

Aber auch im Alltag zeigen achtsamkeitsbasierte Interventionen positive Veränderungen bei den Teilnehmenden: die Stresskompetenz steigt, die emotionale Ausgeglichenheit wird größer, die Sozialkompetenz wächst, die Gesundheit wird gefördert und auch die Aufmerksamkeit wird gesteigert.

Ein fundamentaler Unterschied zur buddhistischen Idee der Achtsamkeit besteht allerdings darin, dass ethische und moralische Aspekte, wie sie im Buddhismus u. a. im sogenannten “Achtfachen Edlen Pfad” beschrieben werden, in diesen modernen Interpretationen der Achtsamkeit nahezu keine Berücksichtigung finden. Interessant zu wissen in diesem Zusammenhang ist übrigens, dass Achtsamkeit ein Teil dieses “Achtfachen Edlen Pfades” ist!

Nichtsdestotrotz bleibt festzustellen, dass diese modernen Interpretationen der Achtsamkeit verhältnismäßig leicht zu erlernen sind, sehr wirksam sind und auch sehr gut den persönlichen Umständen entsprechend anpassbar sind!

Der nächste Artikel wird sich mit den Prinzipien und Trainingsinhalten dieses “Übungsweges” beschäftigen.