Das Unbekannte

Irvin Yalom, als einer der bedeutendsten Vertreter der existentiellen Psychotherapie, nennt vier existentielle  Gegebenheiten, die die menschliche Existenz beschreiben: Tod, Freiheit, Isolation und Sinnlosigkeit. Andere Vertreter der existentiellen Psychotherapie haben noch zwei weitere fundamentale Gegebenheiten genannt: das Unbekannte und das Embodiment. Der heutige Beitrag beschäftigt sich mit dem Thema „das Unbekannte“.

Wir leben in der Illusion, dass wir unser Leben vollständig unter Kontrolle haben. Diese beruht auf den Vorstellungen, die wir uns über unsere Umwelt machen; wir verwechseln oftmals unsere Konstruktion der Realität mit der Realität selbst. Unerwartete Erlebnisse bringen dieses Gedankengebäude ins Wanken. Sie machen uns deutlich, dass wir durchaus nicht immer die Kontrolle haben, was zu einer großen Verunsicherung führen kann.

Solche Situationen bieten aber auch Gelegenheiten für die persönliche Weiterentwicklung! Es beginnt z. B. damit, dass wir erkennen, dass die Verunsicherung auf der o. g. Konstruktion der Realität beruht. Des Weiteren können wir auch unsere Aufmerksamkeit mehr auf den gegenwärtigen Augenblick richten und Dankbarkeit spüren für das, was gerade ist und Neugier zeigen dafür, was als nächstes kommt. Die Verarbeitung negativer Erlebnisse führt oftmals zu einer Stärkung der eigenen Persönlichkeit!

Zum Abschluss möchte ich Shunryu Suzuki, den japanischen Zen-Meister, zitieren, der diesen Prozess als „beginners mind“ beschreibt:

 “If your mind is empty, it is always ready for anything; it is open for everything. In the beginner’s mind, there are many possibilities; in the expert’s mind, there are few.”

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